Wahl und Wahrheit
Vor etwas über einem Jahr, im Sommer 2025, wäre an Frauke Brosius-Gersdorf beinahe die Koalition aus CDU/CSU und SPD gescheitert. Die SPD hatte Brosius-Gersdorf für die Wahl zur Richterin am Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen. Doch dann begann eine außergewöhnlich harte und intensive Kampagne von ultrarechten Medien gegen ihre Person mit sachlich falschen oder extrem verzerrenden Aussagen über ihre politischen Positionen, insbesondere zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Möglicherweise ausgelöst durch die Annahme, Brosius-Gersdorf befürworte ein Verbot der afd (eine Annahme, die sie in ihrem Buch weder bestätigt noch dementiert).
Insbesondere innerhalb der Unionsfraktion wurden diese Kampagnen wahrgenommen und von einem nicht unerheblichen Teil der Abgeordneten offenbar nicht weiter hinterfragt, sodass sie das Bild der „linksextremen Kandidatin“ übernahmen und sie für unwählbar hielten. Das führte dazu, dass die Wahl wegen Uneinigkeit in der Unionsfraktion erst einmal kurzfristig abgesagt wurde und Frauke Brosius-Gersdorf später von der Kandidatur zurücktrat, damit nicht an dieser Frage die ganze Koalition zerfällt. Mittlerweile wurde jemand anderes an ihrer Stelle gewählt. Wer eigentlich? Das musste ich googeln, denn nur an ihrer Person hat sich die Diskussion dermaßen entzündet.
Wie es ihr persönlich mit all diesen Anfeindungen ging und was sie fachlich zu den verzerrten Darstellungen ihrer Positionen zu sagen hat, konnte man bisher weitgehend nur vermuten. Nun hat sie all das in einem Buch aufgeschrieben, das jedoch weit mehr ist als eine „Abrechnung“ mit diesen extrem belastenden Wochen.